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Episkopi und Klosterfest Zoodochou Pigi

erst Grabmal Heroon, dann Kirche Episkopi

Donnerstag, 28. April 2011

Seltene Blumen, ein römisches Grabmal, ein Fest und das Erwachen eines Klosters aus dem Dornröschenschlaf

– all das bei dichtem Nebel –

Episkopi / Heroon

Als wir Chora auf der von Alopronia herauf und durch den Sattel weiter führenden Asphaltstraße in Richtung Südwesten verlassen, um zu dem als Heroon oder Episkopi bekannten ehemaligen römischen Grabmal zu wandern, herrscht so dichter Nebel, dass wir außer den Blumen am Straßenrand kaum etwas sehen. Nur ab und zu reißt er etwas auf und gibt für kurze Zeit den Blick frei auf den Abhang zur Rechten mit seinen alten Steinterrassen und das darunter liegende Meer. Doch als wir 2,6 km gelaufen sind und ein Schild zu der Abzweigung des angeblich sehr schönen Fußwegs weist, ist sind die Nebelmassen wieder besonders dicht, so dass wir uns nicht trauen, den am steilen Nordabhang der Insel entlang führenden Pfad zu gehen, sondern legen die restliche Strecke auf der Straße zurück. Unwirklich taucht schließlich das später zu einer Kirche umfunktionierte Grabmal aus dem dichten Dunst auf, um kurz darauf wieder völlig in ihm zu verschwinden. Als plötzlich abrupt die Asphaltstraße endet, ist das Grabmal, zu dem ein Fußweg weiter führt, wieder zu sehen. Wären nicht die vielen verschiedenen Blumen am Wegrand gewesen, wären die circa 6 km Fußweg im dichten Nebel langweilig gewesen. Noch eine größere Blumenvielfalt finden wir entlang des Pfads zum Denkmal inmitten einer Blumenwiese.

Das Heroon wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. auf dem Friedhof der alten Ionierstadt als Grabmal für einen reichen Inselbewohner errichtet, lesen wir in unserem Reiseführer. In byzantinischer Zeit wurde es ohne große bauliche Veränderungen in eine Kirche umgewandelt, im 17. Jahrhundert schließlich in ein Kloster mit einigen Nebengebäuden und einer noch erhaltenen Zisterne. Damals erhielt es den Namen Episkopi und die heutige Gestalt mit Kuppel und Glockenträger.

Am Rückweg beginnt es plötzlich zu regnen. So nass wie an diesem Tag sind wir nur selten geworden.  Es gießt immer stärker und es gibt weder Verkehr auf der Straße, noch eine Möglichkeit zum Unterstehen. Erst etwa 500 Meter vor Chora kommt das erste Auto vorbei und hält auch gleich an, um uns mitzunehmen. Doch so völlig durchnässt wie wir bereits sind und so verhältnismäßig kurz vor dem Ziel wollen wir der freundlichen Familie nicht die Sitzbänke nass machen, sondern gehen weiter. Die Pflasterstraße, die von Chora zum Sattel mit der Asphaltstraße hinabführt, hat sich in einen Sturzbach verwandelt, durch den wir schließlich zu unserem Zimmer waten. Unterwegs nehmen wir noch beim Bäcker eine Tyropita mit. Kaum sind wir im Zimmer, lässt der Regen nach und hört schließlich ganz auf. Als Dina von der Arbeit kommt, klopft sie an unsere Tür, um den Abfall abzuholen und uns über den Ablauf des Fests im Kloster zu informieren. Wir erzählen ihr von unserem Mißgeschickt und sie nimmt unsere völlig durchnässten Jeans und Jacken mit, um sie zu trocknen.

Das Fest im Kloster Zoodochou Pigi

Prozession zum Kloster am Donnerstag nach Ostern

Zoodochou Pigi

Aufstieg zum Kloster im Nebel

Um 17 Uhr hören wir die Glocken des Klosters, das sich oberhalb unseres Ortsendes befindet. Das bedeutet, dass sich die Prozession mit einem Kreuz voran und zwei Ikonen, begleitet von Priestern und Gesängen, in Richtung Kloster in Bewegung setzt. Der Plattenweg in Richtung Kloster geht bald in einen Stufenweg und schließlich in einen recht steil ansteigenden Fels-Treppenpfad über. Zum Glück regnet es nicht mehr, doch der Nebel hat sich nicht verzogen. So wirkt der Anstieg zum Kloster auf den mit  leuchtendweißen Linien eingefaßten Pflastersteinen und Stufen gespenstisch. Ebenso gespenstisch taucht an ihrem Ende schließlich der schlichte, kantige Klosterbau schemenhaft aus dem Nebel auf.

Wir folgen der Prozession auf seinen Hof. An die gut erhaltenen Teile des Klosters schließt sich eine Ruine an. Atemberaubend ist der Blick von der Klostermauer den steilen Abhang hinab und hinaus aufs Meer, sobald der Nebel die Sicht auf Teile davon freigibt. Die Küstenlinie, die an einer Stelle eine fjordartige, tiefe Bucht bildet, taucht ab und zu im Licht der tief stehenden Sonne auf, um kurz darauf wieder im Nebel zu verschwinden. Kurz vor Sonnenuntergang zaubert die Sonne einzelne silbrige Lichtkreise und -streifen auf das sich kräuselnde und mit einem schwachen Gischtstreifen auf den Inselrand treffende silbrig-olivfarbene Wasser.

Hof des Klosers Zoodochou Pigi

im Hof des Klosers Zoodochou Pigi

Nur ein Teil der Festbesucher folgt dem Gottesdienst in der Kirche. Der Großteil steht draußen im Hof, geht von Gruppe zu Gruppe, begrüßt sich, fragt sich gegenseitig nach dem Befinden, tritt vielleicht kurz in die Kirche, um bald wieder heraus zu kommen.  Gegen Ende des Gottesdienst werden für die Festbesucher große Brotlaibe auf einem Tisch im Hof aufgehäuft. Nachdem der Gottesdienst mit erneutem Glockengeläut endet, wird in dem ehemaligen Refrektorium des Klosters Essen ausgegeben: Runde Alubehälter mit Lamm in Zitronensauce und Kartoffeln. Hausgemachter Wein mit einer Farbe zwischen Rosé und Bernstein steht auf den Tischen. Auch von der Hafensiedlung Alopronia sind viele Festbesucher gekommen, so auch die freundliche Popi, die uns mit dem Auto hoch gefahren hat.  Da wir die letzten Tage auf der Insel lieber im Hafenort mit seinem schönen Strand verbringen wollen, den wir drunten in der Sonne liegen sehen, während sich hier auf 290-300 m Höhe der Nebel hält, fragen wir sie, ob inzwischen eines ihrer Studios am Meer frei ist. Leider nicht, doch gleich nebenan befindet sich das Haus Maistrali, sagt sie uns und macht uns mit seinem Besitzer bekannt. Mit ihm vereinbaren wir, am nächsten Tag dort ein Zimmer zu beziehen.Gemeinsames Essen nach dem Gottesdienst

> nächster Tag: Ausklang des Festes

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