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Petros Markaris – Porträt des Schriftstellers und Lesetipps

(überarbeitet am 27. August 2017)

Sein Werk

Seine Krimis haben den produktiven, agilen, griechischen Schriftsteller Petros Markaris auch im Ausland bekannt gemacht. Sie wurden in viele Sprachen übersetzt und sind eine hervorragende, spannende Urlaubslektüre, die vorzüglich mit griechischer Lebensart, griechischem Alltag und auch ein wenig griechischer Geschichte und der aktuellen Situation im Land vertraut macht. Besonders dem Athenreisenden sind sie wärmsten zu empfehlen. Wie Donna Leons Brunetti vor der Kulisse Venedigs agiert, so ist die Bühne ihrer Hauptfigur, des Athener Kommisars Charitos, Athen. Noch hautnaher als die Lagunenstadt in Leons Krimis erleben wir den Koloss Athen in denen von Markaris. Topographisch, kulturell, kulinarisch geht es kreuz und quer durch die Stadt und ihre Umgebung. Minitiös werden Straßen und Plätze beschrieben, die Charitos bei seinen Ermittlungen durchkreuzt, die Milieus, in die sie ihn führen, ebenso wie das Leben in der Familie Charitos. Wir erfahren, welche Speisen auf den Tisch kommen, erleben Verbrechen und Verquickung von Macht und Politik aus der Sicht der Familie des Kommisars, in die all dies hinein schwappt. Viel Gesellschaftskritik schwingt mit in diesen Romanen. Mal ist sie dem Kommissar in den Mund gelegt, mal scheint sie in den Umständen und/oder den  Handlungsweisen anderer Protagonisten auf. Auch scheint  immer wieder Griechenlands jüngere Geschichte durch, die als schwere Hypothek auf dem Land und vor allem auf seinen Menschen lastet.
Zehn Krimis der Serie sind bereits auf Deutsch erschienen. Während die vorhergegenden Folgen der Reihe die reale Situation Griechenlands zum jeweiligen Zeitpunkt ihres Entstehens spiegelten, liegt Markaris neuestem Kriminalroman mit dem Titel „Offshore“ die Fiktion zugrunde, die Krise sei überwunden und Geld fließe plötzlich ins Land. Er schließt sich an eine  Vorangegangen waren ihm eine Krisentrilogie und ihr Epilog. Ihnen folgt das neueste Werk der Reihe, das in einer Zukunft spielt, in der die Krise überwunden ist. Seine deutsche Übersetzung ist zur Zeit in Arbeit und soll im Sommer 2017 erscheinen.

Freilich umfasst das Werk des Autors weit mehr als seine berühmte Krimiserie über den Kommisar Charitos. So ist gerade dem Athentouristen besonders auch sein Büchlein Quer durch Athen: Eine Reise von Piräus nach Kifissia zu empfehlen, in dem er die Stationen von Athens ältester Stadtbahnlinie, der von den Athenern Ilektrikos genannten Linie 1 des heutigen Metrosystems, abklappert und dabei historische Arbeiterquartiere, klein- und großbürgerliche Wohnviertel, Touristen- und Vergnügungsgegenden passiert. An jeder Stationen steigt er aus und macht ausgiebige Spaziergänge, bei denen er das Einzigartige, das „Echte“ an jeder Stadtgegend sucht, aber auch Kuriositäten und Relikte aus alter Zeit wie uralte Olivenbäume und traditionelle Gaststätten aufspürt.

Sein neuester auf Deutsch erschienener Nicht-Krimi ist der Erzählband „Der Tod des Odysseus“ mit sieben Geschichten über Glückssucher und Irrfahrer.

Seine Person

Petros Markaris wurde 1937 als Sohn eines Armeniers und einer Griechin in Istanbul geboren, ging dort auf ein österreichisches Gymnasium und lebt heute in Athen. Neben den oben beschriebenen, in den letzten Jahren auf Deutsch erschienenen Büchern gehören auch Theaterstücke, Fernsehserien und Übersetzungen deutscher Literatur zu seinem umfangreichen Werk. Er ist ein exzellenter Vermittler zwischen griechischer und deutscher Kultur. Sein sozialkritischer Blick ist an Brecht geschult, den er neben Goethe und anderen deutschsprachigen Autoren ins Griechische übersetzt hat. Fast alljährlich geht er auch auf Lesereise und besucht viele Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fotoquelle: Von Justus Nussbaum (Eigenes Werk) lizensiert unter: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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