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Samos: Kloster- und Dorffeste

Dorf- und Klosterfeste an
„Mariä Geburt“ („Genissi tis Theotokou“ – 7./8. Sept.) und
„Kreuzerhöhung“ („Ipsosis Timios Stavrou“ – 13./14. Sept.)

Wannimmer ein Kirchweihfest in unserem Reisegebiet in die Zeit unseres Aufenthalts fällt, nutzen wir diese wunderbare Gelegenheit griechische Frömmigkeit, Lebensfreude und Gastfreundschaft mitzuerleben, so natürlich auch wieder dieses Mal.

Vourliotes, 7. und 8. September

Da die Feste meist umso fröhlicher werden, je fortgeschrittener der Abend, hatten wir Quartier in dem Dorf Vourliotes bezogen, um den Vorabend sowie Abend des Kirchenfestes Mariä Geburt auf dem Dorfplatz zu verbringen. Unser Hausherr, der über 70-jährige Markos, hatte für sich und uns in einer der vier Tavernen am Dorfplatz einen Tisch ganz vorn am Eck vor der Bühne reserviert. Seine Frau Maria kam nicht mit, weil sie um ihren vor kurzen verstorbenen Bruder trauerte. Der Dorfplatz war voll besetzt. Alle Bekannten und Verwandten von Marko kamen kurz am Tisch vorbei, um ihm seine Aufwartung zu machen und er machte uns mit Patenkindern, Freunden und Verwandten bekannt und erzählte kurz was jeder so im Leben machte, wannimmer es die gegen 21.30 h beginnende Musik erlaubte. Die drei Musiker (Bousouki, Gitarre, Keyboard und Gesang) spielten vorwiegend traditionelle und populäre Weisen, darunter auch einige Rembetiko-Titel. Oft sangen einige im Publikum mehr oder weniger laut mit, unter ihnen auch immer wieder unser Hausherr Marko. Gegen 22.00 h begannen die ersten auf der Fläche vor der Bühne zu tanzen. Immer mehr gesellten sich dazu. Als wir gegen 23.30 h langsam zu unserer Pension „Mary’s Rooms“ hinabgingen, war das Fest noch in vollem Gange. Das Ganze wiederholte sich am nächsten Abend nachdem viele Dorfbewohner vormittags die Messe und Prozession mit anschließender Verköstigung im Kloster Vronda besucht hatten.

Fotos vom Dorffest in Vourliotes gibt es im entsprechenden Flickr-AlbumVourliotes Dorffest“.

Jahresfest des Klosters Vronda (Moni Vronta, auch Moni Vrontiani bzw. Vrondiani genannt) am 8. September

Das Fest bietet Gelegenheit das bei den Bränden im Jahr 2000 stark beschädigte und deshalb sonst geschlossene älteste Kloster der Insel zu sehen. Zu diesem Anlass sind die Pforten der im Jahr 1566 fertiggesellten Anlage geöffnet.

Wir gehen die rund zwei Kilometer von Vourliotes auf der kleinen Betonstraße hinauf nach Südwesten, wo das Kloster in über 450 Meter Höhe liegt. Ein Stück können wir einen mit einem weißen Holzschild gekennzeichneten Fußweg als Abkürzung nehmen. Es geht vorbei an Feigen- und Nussbäumen, die durch ihren ganz eigenen Duft auf sich aufmerksam machen, einzelnen Maronenbäumen, darunter Brombeergestrüpp und letzte Blumen. Rechts und links der Straße immer wieder kleine Gemüse- und Weinfelder, etwas unterhalb kleine Häuser und Schuppen und ein einfacher, offener, kleiner Schweinestall.

Als wir kurz vor 10.00 h ankommen hat der Gottesdienst bereits begonnen. Lautsprecher sorgen dafür, dass man ihm auch außerhalb der Klosterkirche folgen kann, die bereits voller Menschen ist. Laufend strömen neue Gläubige durch das Klostertor und nehmen auf den Steinbänken entlang der Klostermauern Platz. Als die Messe zu Ende geht, weist ein Pfarrer einen Buben an, wie mit zwei langen Stricken die Glocken zum Klingen zu bringen sind, bevor er selbst mit einem Stundenholz, auf das er rhytmisch schlägt, die Runde durch den Klosterhof macht. Das ist der Auftakt zur Prozession durch den Klosterhof, angeführt von Ikonenträgern und Geistlichen im Festgewand. Sie endet schließlich wieder vor dem Kirchentor, wo die Gläubigen an der Ikone vorbei filieren und sie küssen.

Zu Ende der Zeremonie werden die Besucher im Hinterhof verköstigt. Dort köchelte zu diesem Zweck schon lang eine zähe Masse aus Getreide, Zwiebeln und Ziegenfleisch in einem riesigen Kessel. Giorti nennt man diese schmackhafte und sättigende Speise, die nun in kleinen Plastikschalen verteilt wird. Löffel hat sich jeder selbst mitgebracht.

Draußen auf dem zum Kloster führenden Sträßlein haben Händler und Loukoumadesbäcker ihre Stände aufgestellt. Die Loukoumades genannten kleinen fettgebackenen Teigbällchen, die mit flüssigem Honig übergossen und mit einer Puderzucker-Zimtmischung bestreut werden, sind die Entsprechung unserer Kirchweihküchlein oder -bällchen, denn sie fehlen auf kaum einem Kirchenfest.

Fotos vom Kloster und vom Fest gibt es im entsprechenden Flickr-Album Klosterfest Moni Vronda.

Jahresfest im Kloster Timos Stavros (Moni Timiou Stavrou) am 13. September 2009

Das Fest beim Kloster Timos Stavros gestaltet sich ähnlich wie das beim Kloster Vronda, nur dass wesentlich mehr Besucher in den mit Palmblättern, Basilikumtöpfen und vielen Fahnen geschmückten Hof drängen und die Prozession mit vielen kirchlichen Würdeträgern größer und prachtvoller ist. Die Festmesse soll um 18.00 h beginnen. Doch schon am frühen Nachmittag ist der Klosterhof voller Menschen. Zahlreiche Frauen sind dabei, Hof und Steinbänke mit Wasser, Wischmopps und Besen zu putzen und weiteren Schmuck zu fertigen. Pfarrer eilen mit wehenden schwarzen Kutten hin und her und geben Anweisungen. Auf der Straße zum Kloster bieten Stände Pilgerartikel wie Ikonen und Kerzen ebenso wie Spielwaren und anderen Kleinkram an. Auch werden natürlich wieder frische Loukoumades gebacken. Neben dieser Entsprechung unserer Kirchweihküchle gibt es auch die unserer Bratwürste: Die kleinen, Souvlaki genannten, Fleischspießchen vom Grill.

Gegründet wurde das Kloster bereits 1592. Die heutige Anlage stammt jedoch aus dem 19. Jh. Die Kirche hat eine große, fein geschnitzte Ikonostase aus dunklem Holz. Sie wurde Mitte des 19. Jh. von zwei Holzschnitzern aus Chios gefertigt und zeigt wertvolle Ikonen des 17.-19. Jh. Natürlich kann die Kirche nicht alle Besucher aufnehmen. Die meisten gehen nur kurz hinein, um die Ikonen zu küssen und Kerzen anzuzünde und nehmen danach auf den Steinbänken im Hof Platz. Es ist ein dauerndes Kommen und Gehen und Sichbegrüßen. Viele haben große Brote dabei, die sie abgeben. Schließlich kündigt ein Pfarrer, der mit einer Stange rhytmisch auf ein Stundenholz schlägt, an, dass es bald losgeht. Eine Gruppe von Pfarrern umrundet den Hof, dann beginnt die Messe, die über Lautsprecher ins Freie übertragen wird.

In den Vorjahren hatte im Anschluß an die Messe ein Fest in dem kleinen ca. zwei Kilometer oberhalb des Klosters am Rand einer Schlucht gelegenen Berdorf Mavratzei gegeben, zu dem wir vor Beginn der Messe kurz hinauf spazieren. Nachdem Kafenion und Taverne dort inzwischen verwaist sind, wird auch nicht mehr gefeiert, was die Bewohner sehr bedauern. Viele Häuser des Dorfes sind verfallen. Doch gibt es auch einige schöne neue mit blühenden Höfen und Terrassen sowie natürlich eine Kirche und auch zwei Geschäfte, ringsum Oliven- und Feigenbäume, der Hang zum Tal hinab und hohe Berghänge.

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