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Kinofilm „Kleine Verbrechen“

Der neue Film des zypriotischen Regisseurs Christos Georgiou bringt seit 11. Juni 2009 Sonne und Urlaubsstimmung auf die Leinwand

Eineinhalb Stunden heiteren, ungetrübten Genuss bringt dieser Film:
Traumhaft schöne Landschaftsaufnahmen;
alles was zu einer typischen griechischen Insel gehört: Fähren und Boote, Strand und Badegäste, Esel und fliegende Händler mit ihrer Ladung Obst und Gemüse und der am Heck baumelnden Waage und vor allem griechische Charaktere, die die pittoreske, kleine Insel bevölkern, auf der jeder jeden kennt.
Nichts scheint ihnen zu entgehen, kein Händchenhalten, kein schneller Kuss des sich im Laufe der Handlung findenden Liebespaares. Nur wie der alte, dem Alkohol zugetane Zacharias die Klippe hinab zu Tode gestürzt ist, hat keiner gesehen. Für den unterforderten, ehrgeizigen jungen Polizisten Leonidas ein gefundenen Fressen! Vielleicht endlich ein echter Fall für ihn, ein Mord? Das wäre doch mal was anderes, als immer nur Nacktbader und Raser in Schrottkisten zur Ordnung zu rufen. Schließlich hat es der Polizist satt, den Freund und Helfer zu spielen, der laufend aufgefordert wird, mit anzupacken, wenn es ums Putzen, die Feldarbeit oder das Anschieben des gerade von ihm gestoppten klapprigen Autos ohne Nummernschild geht, damit es nach ordnungsgewaltlicher Ermahnung, jedoch ohne Strafzettel seinen Weg fortsetzen kann. Einen Mord aufzuklären wäre endlich mal echte Polizistenarbeit. Prompt macht sich der von Aris Servetalis hervorragend gespielte Leonidas an die Ermittlungen und beginnt, Verdächtigungen und mögliche Mordszenarien zu ersinnen, die als absurde Einschübe eingeblendet werden. Und gleich bahnt sich für ihn noch eine weitere Chance an. Endlich winkt die heiß ersehnte Berufung nach Athen. Doch was ist all dies gegen die Liebe?! Gleichzeitig bahnt sich auch eine Liebesgeschichte an und bindet ihn doch wieder an das ihm leid gewordene kleine Idyll.

Kleine Insel – Kleine Träume – Kleines Glück – kleine Verbrechen

Leonides bescheidet sich schließlich wieder, so wie die meisten auf der Insel, deren kühne Pläne eher Träume als ernstzunehmende Vorhaben sind. Und diese Genügsamkeit, die Herauskehr der Lächerlichkeit und Müßigkeit des Versuchs eines Ausbruchs aus ihr, hat wohl ihren Anteil an der erheiternden, aber auch erhebenden Wirkung des Films. Damit geht er über die bloße Verbreitung von Urlaubsstimmung hinaus und macht das Filmerlebnis zu mehr als einer kurzen Flucht aus einem trüben, verregneten Nicht-Sommer in die lichtdurchflutete Ägäis. Diese Bescheidenheit, kontrastiert mit der Absurdität ehrgeiziger Höhenflüge, lässt das heitere, geruhsame Inselleben als mehr als ein trügerisches Idyll empfinden. Schließlich macht die Natur selbst es den Menschen vor. Ziegen, Kräuter und Olivenbäume treten den Beweis an, dass auch auf äußerster Kargheit Leben gedeihen kann. Und das Blau des Äthers und die Weite des Meeres machen die Abgeschiedenheit des Inseldaseins wett. Dazu kommen die Worte in den Sinn, die die griechische Autorin Ioanna Karystiani einer ihrer Protagonistinnen in den Mund gelegt hat: „… das Meer, dessen Wasser anderswohin fließen, irgendwohin, Gedanken, Orte, Stimmen mit sich nehmen und machen, dass die Inselbewohner sich nie wie in der Falle gefangen fühlen. Das Blau fließt und jeder von uns mit ihm. „

Nachtrag: 18. Januar 2012:
inzwischen gibt es den Film „Kleine Verbrechen“ auch auf DVD

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