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Lesbos, Teil 1

Wiedersehen mit Lesbos nach 8 Jahren

(Mittwoch, 19. September bis  Sonntag, 23. Sept. 2012)

In den 8 Jahren, die wir nicht auf Lesbos waren, scheint sich in unserem Ferienort Vatera nicht viel geändert zu haben. Einige Häuser haben einen anderen Anstrich und den einen oder anderen Anbau. Neubauten ziehen sich einige am westlichen Ortsende – dort, wo es Richtung Fluß und Agios Fokas geht – den Hang hoch. Entlang des Strandes bestehen im wesentlichen noch die gleichen Baulücken wie vor 8 Jahren, auf denen Ziegen und Esel grasen oder Heuballen zum Trocknen aufgeschichtet sind. Hotel Aphrodite hat jetzt einen großen Schwimmingpool. Einige Tavernen haben bereits geschlossen oder sind dabei, für den Winter zu schließen. Wie schon vor 8 Jahren ist die alteingesessene Taverne »Kalamakia« der Maria Georgaka als einzige ganzjährig offen, wenngleich später, im Winter, nur am Wochenende. Doch jetzt läuft der Betrieb noch mit täglich wechselndem Angebot an frisch zubereiteten Speisen auf Hochtouren und es gibt auch Spezialitäten wie gefüllte Zucchiniblüten, Zicklein aus dem Backofen und die köstlichen Sardellen von Kaloni sowohl gegrillt, als auch als Sardelles pastes in Salz eingelegt. Dimitris Taverne »Akrogiali« ist auch noch offen, ebenso wie die Taverne Zouros und die Taverne »Nereida«, die ebenso wie Maria Georgaka auch Zimmer vermietet.

Noch immer ist die Straße von Plomari nach Vatera, die bereits vor 8 Jahren im Bau war, nicht fertig, so dass wenig Verkehr durch den Ort geht.

Wie vor acht Jahren wohnen wir zunächst wieder  in den »Irida Apartments« bei Maria und Giorgos Koliopoulos. Am Strand davor hat der Giorgos inzwischen 5 stabile Sonnenschirme aufgestellt –  einen für jedes Zimmer mit der Zimmernummer am Stamm angebracht. Darunter je 2 Sonnenliegen. Im Zimmer erwartet uns im Kühlschrank der Proviant für die ersten Tage, den Giorgos auf meine E-Mail-Reservierung und -Bestellung hin aus dem Supermarkt seiner Frau Maria im höhergelegenen Dorf Vrissa besorgt hat. Außerdem: Eine Schale Oliven und eine Flasche Olivenöl aus Giorgos eigener Produktion. Auf dem Tisch: Ein Strauß krina, der einen süßen Duft verbreitet. Noch blühen diese auch Strandlilien genannten Dünen-Trichternarzissen üppig am Strand.

 

Bald erfahren wir auch Neuigkeiten von anderen Stammgästen der Pension, die wir früher bereits getroffen hatten. Offenbar hat viele von ihnen ganz ähnlich wie uns die Liebe zu Lesbos und insbesondere seinem Süden gepackt. Ein holländisches Paar, das wir kennen, hat sich in Plomari ein Haus gekauft. Ein weiterer Holländer, Piet van Looi, ist inzwischen verstorben. Da seine Liebe zu der Insel ein wichtiger Schwerpunkt der letzten Jahre seines Lebens war, hat ihm seine Frau Adriana ein Denkmal gesetzt, indem sie den Platz um das kleine Agios Ioannis-Kirchlein am Ostende von Vatera unweit der Pension Irida pflastern ließ und eine Bank aufstellen sowie eine Gedenktafel anbringen ließ, die an ihren Mann erinnert. Zeitgleich mit dem Totengedenkgottesdienst in Holland fand auch in dem Kirchlein eine Messe zur Erinnerung an Piet statt.

Am Donnerstag, dem nächsten Tag nach unserer Ankunft, nimmt uns Giorgos morgens mit dem Auto mit in sein Dorf Vrissa, das etwa 3 km oberhalb der Strandsiedlung Vatera liegt. Wir besuchen seine Frau Maria und deren über 80-jährigen Vater in ihrem Pandopolion (buchstabengetreuer transkribiert: Pantopoleion), einem „Tante Emma-Laden“, der nicht nur Lebensmittel, sondern alle möglichen Waren führt. Dann statten wir noch ihrer Mutter einen Besuch ab, deren Haus neben dem von Giorgos und Maria unweit des Geschäfts steht. Auch in Vrissa hat sich nicht viel geändert. Doch dazu mehr beim Bericht über den letzten Abschnitt unserer Reise, den wir vor dem für den 17. Oktober geplanten Rückflug wieder auf Lesbos verbringen werden.  Zurück gehen wir zu Fuß zuerst ein Stück der Straße entlang vorbei an der Tankstelle, an der der Bus hält, bevor wir den Fußweg einschlagen, der davon abzweigt. Das ist nur einer der Wege, die von Vrissa nach Vatera führen. Viel schöner geht es sich durch ein trockenes Bachbett und den Wald. Doch auch dazu später mehr.

Gegen 14 Uhr hat Giorgos alle Hausgäste sowie die zwei ehemaligen Gäste, die nun in Polychnitos wohnen, zu verschiedenen Mezedes und einer Grillplatte, die die Wirtin Maria der Taverne Kalamakia für ihn zubereitet hat, eingeladen. Denn sein Sohn hat am 20. September Namenstag. Er heißt Stathis, was sich von Evstathios ableitet. Auch für diesen Heiligen gibt es in Vatera eine kleine Kirche, in der anlässlich seines Ehrentags bereits am Vorabend sowie nochmal heute Festgottesdienste gehalten werden. Abends holt Giorgos seine Frau Maria aus Vrissa ab und es gibt Baklavas, ohne die in Giorgos Familie kein Namenstag denkbar ist. Eigentlich wollte dann auch Stathis, demzuehren all das stattfindet, anwesend sein. Doch er hat seinen Namenstag in der Hauptstadt Mytilini mit Freunden verbracht und sich spontan entschieden, dort über Nacht zu bleiben.  Sonst lebt Stathis jetzt wieder mit seiner Familie in Vrissa und hilft im elterlichen Geschäft, seit die Firma für die er in Mytilini gearbeitet hat, Pleite gegangen ist. Maria und Giorgos sind froh darüber. Denn obwohl Marias Eltern trotz ihres hohen Alters noch im Geschäft mithelfen, rechnen die beiden nicht damit, dass das noch lang so geht und können gut Hilfe gebrauchen: Viele Olivenbäume, das Geschäft in Vrissa und die Fremdenzimmer sind viel Arbeit, so dass sie sich außer kurz nach ihrer Ehe, als sie für einige Jahre in Athen und Patra lebten, noch nie einen Urlaub gönnen konnten. Stathis hatte am Tag unserer Ankunft gemeint, alle spürten die Krise und die Familien rückten wieder enger zusammen, was eine der wenigen guten Seiten daran sei.

Die nächsten drei Tage ist herrliches, sommerliches, windstilles Wetter.

Gestern, am Donnerstag, hatte es früh morgens kurz kräftig geregnet und war dann tagsüber zwar trocken und warm, aber etwas bedeckt. Doch nun strahlend blauer Himmel und Sonnenschein! Das Meer ist klar und ruhig und laut unserem Thermometer noch 23 Grad warm, so dass wir das erste Bad bei Sonnenaufgang und das letzte beim Sonnenuntergang nehmen,  uns den ganzen Tag lang am Strand entspannen und noch ein wenig  über die Inseln Psara, Inousses und Chios, zu denen wir am Montag, den 24. September aufbrechen wollen, lesen.

Das Frühstück und manchmal das Abendessen bereiten wir uns in unserer Kochnische selbst. Sonst lassen wir uns von Maria Georgaka in ihrer Taverne Kalamakia verwöhnen. Wir vereinbaren mir ihr auch, dass wir nach unserem Inselspringen in ihrem Haus wohnen werden. Denn dann, ab Anfang Oktober,  hat Giorgos in seiner Pension Irida Handwerker. Die Fassade wird ausgebessert und neu gestrichen.

> Weiter nach Psara

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