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Krisenkrimis von Petros Markaris

1995 begann der griechische Autor Petros Markaris seine Krimiserie um den Athener Ermittler Kostas Charitos. Damals dauerte es noch 5 Jahre bis das erste Werk der Reihe im Jahr 2000 auf Deutsch erschien. Inzwischen lassen die Übersetzungen der Bücher über den Kommissar, seine Familie und seine Kriminalfälle nicht mehr so lang auf sich warten, denn sie haben viele Fans gewonnen und erscheinen in hohen Auflagen. Alle sind nicht nur spannend und machen hervorragend mit griechischem Lebensgefühl und neuerer griechischere Geschichte vertraut, sie sind auch stets sehr nah am Zeitgeschehen. So konnte natürlich auch die Wirtschafts- und Sozialkrise des Landes nicht ausgespart werden.
Eine Krisentrilogie hatte Markaris 2010 geplant. Aus den geplanten drei Krimis um den Athener Kommissar Charitos, die in einem klar von der Wirtschafts- und Sozialkrise geprägten Griechenland spielen, sind vier geworden. Denn die Krise dauert an. Wie den meisten Athenern, so spielt sie auch der Krimihauptperson, dem Kommissar Charitos und dessen Kollegen und Familie übel mit. „Zurück auf Start“ lautet der deutsche Titel des neuesten Krisenkrimis, den der Autor als Epiolog zur Krisenkrimi-Triologie versteht, was auch der griechische Titel Tifloi telous (Abspann) nahelegt.

Es heißt sparen. Das geliebte kleine Auto des Kommissars, mit dem er durch Athen gekurvt war, muss nun meist in der Garage bleiben. Umständlicher aber kostengünstiger ist die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. So lernt der Leser, der ihm zuvor durch Athener Straßen und Unterführungen und über die Plätze der Stadt gefolgt war (minutiös beschrieben im griechischen Original, etwas gekürzt in der deutschen Übersetzung von Michaela Prinzinger), nun das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt kennen. Tochter Katerina, die als Anwältin Asylbewerber vertritt, wird von Rechtsradikalen zusammengeschlagen, wie sie seit Krisenbeginn verstärkt auftreten. Ihr Schwiegervater muss  seinen Laden schließen, weil er die Steuern dafür nicht mehr zahlen kann und die Ehefrau Adriani muss ihre vielgelobte Kochkunst mit bescheidenen Zutaten vollbringen. Einmal frische Calamaris für die ganze Großfamilie bedeutet etliche Tage danach nur noch billige Hülsenfrüchte.

Gut versteht es der an einer österreichischen Schule in seiner damaligen Heimat Istanbul erzogene Autor Markaris, der u.a. auch in Wien und Stuttgart studierte und viele Werke deutscher Autoren ins Griechische übersetzt hat, in seinem neuesten Buch auch Deutsche und deutsch-griechische Beziehungen zu charkterisierten. Anlass dazu geben beispielsweise Ulli, der Deutsche, der die beste Freundin von Charitos Tochter Katerina  heiraten will, und der Selbstmörder Makridis, der daran scheitert, dass er halb Deutscher, halb Grieche ist.

Die Handlung ist wie immer spannend. Natürlich kommt sie wieder nicht ohne Leichen aus. Erst ein Selbstmord. Oder war es Mord wie ein „Bekennerschreiben“ von “ „Griechen der fünfziger Jahre“ behauptet? Jedenfalls geschehen daraufhin bald echte Morde im Namen dieser mysteriösen „Griechen der fünfziger Jahre“. Wer steht dahinter?

Die vorherigen drei „Krisenkrimis“

Faule Kredite (2010 auf Griechisch und 2011 auf Deutsch erschienen)
Zahltag (2011 bzw. 2012 erschienen)
Abrechnung (2012 bzw. 2013 erschienen)

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