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Insel Leros

Reisetagebuch

Leros, die Bucht von Ag. Marina

Samstag, 19. September 2009
Abreise von Lipsi und erster Tag auf Leros

Die ganze Nacht hat der Wind geheult und es klapperte ständig irgendwo irgendetwas von ihm Gebeuteltes. Jetzt spielt er auf den Bootsmasten wie auf Orgelpfeifen. Eigentlich hätten wir noch einen weiteren Tag auf Lipsi bleiben wollen, um ein wenig zu wandern. Nachdem gestern ein starker Wind aufkam und heute der Wetterbericht Windstärke 7 mit steigender Tendenz meldet, entschieden wir uns jedoch für prompte Abreise, um zu vermeiden, dass wir auf Lipsi festsitzen, weil Fährverbindungen wegen Sturm abgesagt werden. Die erste Fahrgelegenheit nach Leros ist der „Flying Dolphin“ um 9.50h. Wir nehmen ihn, obwohl wir sonst ungern mit diesen geschlossenen Schnellbooten unterwegs sind, da sie den Genuss der Anfahrt auf eine neue Insel mindern. Wir setzen uns auf die zwei fordersten Plätze, um einen guten Ausblick zu haben. Der Nachteil ist, dass hier die Sonne voll auf uns niederbrennt, während die Passagiere auf den seitlichen Plätzen auf der Sonnenseite alle ihre Vorhänge geschlossen halten. Ein Platzwechsel während der Fahrt ist nicht möglich. Nicht nur, dass ein Schild dies untersagt, bei dem starken Geschaukel und Gehüpfe des „Delphins“ bei dieser Windstärke wäre er uns auch nicht in den Sinn gekommen. Wir bleiben angeschnallt sitzen, während das Gefährt uns durchschüttelt und wie ein Kojote heult, und sind heilfroh dass die Überfahrt nur rund 20 Minuten dauert.

Es geht vorbei an dem vorgelagerten Inselchen und mehreren weiteren, aus dem Meer ragenden rundlichen Kuppen. Rechts sehen wir weit in der Ferne Patmos. Problemlos ist es bei der klaren Sicht am weißen Häuserkranz der Chora, der das Kloster oben am Fels umgibt, zu erkennen.

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Bald nähern wir uns der lang vor uns ausgebreiteten, 52 Quadratkilometer großen Insel Leros, an deren Felsen sich die Wellen brechen. Wir fahren sie entlang, bis sich als erstes markantes Merkmal oben auf dem Gipfel schemenhaft die Festung abzeichnet, von gleicher Farbe wie der Fels, auf dem sie errichtet ist. Weiter erkennen wir auf der Gipfellinie links davon einige alte Windmühlen, rechts mehrere neue Windräder.

Bald wird auch unterhalb der Festung der Ort Agia Marina sichtbar, in dem wir anlegen. Dieser Hauptort von Leros befindet sich in einer Bucht im Nordosten. Sein Hafen ist klein. Außer Fischerbooten legen hier nur die Flying Dolphins an. Die Fähren steuern den größeren Hafen Lakki in einer tiefen Bucht im Südwesten an, von dem wir auch nach Samos zurückfahren werden. Die großen, bunt bemalten Fischerboote, die davor zum Trocknen ausgebreiteten Netze und die direkt ans Wasser gebauten Häuser geben ein farbenfrohes, malerisches Bild unter dem strahlend blauen Himmel. Die Häuser des Ortes ziehen sich zwei Hügel empor, auf dessen linkem, östlichen, die „Burg der Panagia (Mutter Gottes)“ genannte Festung steht.

Auffällig sind vereinzelte ältere, zweistöckige, meist ockergelb gestrichene Häuser mit hohen Fenstern, die sich zwischen die schlichteren weißen Bauten mischen. Weitere beliebte Fassadenfarben sind Rottöne – von gedeckten, dunklen Rosatönen über ziegel- bis dunkelrot – und kräfiges Blau. Typisch auch die Bauweise der Kirchen. Ziegelgedeckte oder terrakottarot gestrichene Tonnengewölbe, auf denen sich meist eine ebenfalls ziegelgedeckte Laternenkuppel erhebt. Gestrichen sind diese Kirchen fast alle in hellem Terrakottarot. Nicht eine einzige der auf Lipsi allgegenwärtigen hellblauen Kuppeln haben wir erspät. Auch keine der flachen niedrigen Glockentürme mit drei Glocken, die zu den Kirchen von Patmos gehörten. Statt dessen hohe Glockentürme, auch sie meist ziegelgedeckt. Aus dem Rahmen fällt die heute orthodoxe, früher jedoch einmal katholische Kirche Ag. Nikolaos im Hafenort Lakki an der Westküste im Südteil der Insel. Sie wirkt so „ungriechisch“ wie das ganze einst von den italienischen Besatzern auf dem Reißbrett konzipierte Lakki, das wir morgen sehen werden.

Die Bucht Ag. Marina ist dicht bebaut. Der Ort Ag. Marina verschmilzt mit dem darüber gelegenen Platanos und geht auch fast nahtlos in die angrenzenden Strandorte Krithoni und Alinda über. In letzterem nehmen wir Quartier in den „Studios Diamantis“, deren Vermieterin uns beim Verlassen des Schnellboots ansprach. Der Ort liegt ca. 1,5 km nördlich von Ag. Marina. Die meisten seiner Häuser haben genau wie unseres große Gärten voller Grün und Blumen. Neben unserer Unterkunft befindet sich ein kleines Hotel mit Swimmingpool. Unser Studio ist sehr geräumig und hat einen großen Balkon, von dem wir über den darunterliegenden und die angrenzenden Gärten blicken. Zwischen dem Grün ihrer Bäume leuchtet das blaue Meer auf. Zur Busstation und zum schmalen Strandstreifen neben der Küstenstraße geht man etwa 5 Minuten den Hang hinab. Normalerweise wäre es sehr ruhig hier. Doch ist in der ersten Nacht in einem nahen Hotel einen Hochzeitsfeier, die sich mit Musik bis kurz vor 4.00 h am Morgen hinzieht. Alinda hat vormittags recht gute Busverbindung nach Ag. Marina. Nachmittags fahren nur um 13.00 h und 18.00h Busse zurück. Doch kommt auch ein Taxi nicht wesentlich teurer. EUR 3,- haben wir dafür gezahlt. An Sehenswertem gibt es in Alinda den Bellenis-Turm, ein schlossartiges, rosa Gebäude mit zwei Türmen an der Hauptstraße, das Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Unternehmer Paris Bellinis errichtet wurde und heute ein historisches und völkerkundliches Museum beherbergt. Außerdem befindet sich hier ein Soldatenfriedhof, auf dem Gefallene des Zweiten Weltkriegs ruhen.

Burg der Panagia

Nachdem wir das Gepäck in unserem Studio abgestellt haben, nehmen wir ein Taxi zurück nach Ag. Marina, da wir nicht auf den nächsten Bus um 12.00 h warten wollen. Wir gehen zunächst bis zu dem alten Dorf Platanos hoch. Es hat einen hübschen Platz mit Kafenions, einem Gyros- und Souvlaki-Imbiss und einem Supermarkt und malerische, enge Gassen. Weiter folgen, vorbei an der Kirche Ag. Paraskevi, dem ausgeschilderten Weg zur Festung, einer recht gut erhaltenen, großen Burganlage auf dem Gipfel eines kahlen Hügels. Kastro oder Burg der Panagia wird sie genannt.

Leider ist die Kirche der Panagia in der Burganlage geschlossen. Ihre Ikonen und ihr großes, holzgeschnitztes, vergoldetes Altargitter sollen sehenswert sein. Doch lohnt schon allein der Blick den Aufstieg. Weit blicken wir über die Insel und das Meer. Wir sehen wie sich die Häuser von Platanos bis hinab in die nächste, Pandeli genannte Bucht erstrecken. Während es unten in Ag. Marina windstiller als morgens auf Lipsi war, pfeift hier oben auch ein starker Wind.

Taverne Mylos

Nach unserer Rückkehr hinab nach Ag. Marina gehen wir in die kräftig blau gestrichene Taverne Mylos (Milos). Sie liegt sehr schön am Meer neben einer alten Mühle am Westende des Orts in Richtung Krithoni. Direkt am Wasser sitzen wir auf blauen Holzstühlen in dem überdachten und von einer Glasscheibe geschützten Teil der Terrasse. Das Speisenangebot ist umfangreich. Leider ist das Lamm vom Backofen gerade ausgegangen. So essen wir gegrillten Oktopus, die winzigen Fischlein „Maridaki“ und dazu die Knoblauchpaste Skordalia. Der Wirt kommt aus Epirus und serviert als offenen Hauswein einen hervorragenden weißen Zitsa. Um 18.00 h nehmen wir den Bus zurück nach Alinda. Dort sehen wir die festlich gekleideten Hochzeitsgäste in die Kirche strömen. Später abends und bis kurz vor 4.00h des nächsten Morgens gibt werden wir dann in unserem Zimmer mit den Klängen griechischer Musik „verwöhnt“.

Sonntag, 20. September 2009
Leros

Heute erkunden wir die Insel mit dem Bus. Wir fahren alle vier Linien des öffentlichen Busverkehrs ab. Sie gehen direkt ineinander über und werden – zumindest an diesem Sonntag – vom gleichen Bus und Fahrer bedient.

Bucht Plefouti

Der erste Bus der Linie 3 startet um 8.00 in Platanos und ist planmäßig um 8.07 in Alinda, wo wir zusteigen (weitere gehen ab Alinda um 10.37, 13.07 und 18.07). Der Fahrplan hängt an der Haltestelle aus und ist vom Fahrer in Fotokopie erhältlich. Wir fahren auf einer recht frequentierten, teils mit hohen Eukalyptusbäumen gesäumten Straße durch stark zersiedeltes Gebiet mit kleinen Dörfern, Häusergruppen, einzelnen Häusern, Obst- und Gemüsegärten Richtung Nordwesten zum ca. 7 km entfernten Partheni an der Nordküste.
Je weiter wir nach Norden kommen, desto dünner ist die Besiedlung, doch ist das Land teils bewirtschaftet. In Partheni steigen wir nicht aus. In der dünn besiedelten Agrargegend befinden sich der kleine Flughafen, eine Kaserne, einige verstreuten Häusern, ein Trockendock für Yachten und ein kleinen Hafen, in dem Yachten vor Anker liegen. Hier wäre auch der Ausgangspunkt, wenn man zu dem Standort des in geschichtlichen Quellen und Inschriften erwähnten Artemistempel will, dessen spärliche Reste westlich des Flughafens liegen sollen. Außerdem befindet sich hier die Kirche des Agios Georgios aus dem 10. Jh., in der antikes, möglicherweise auch vom Artemistempel stammendes Material verbaut ist.
Wir steigen jedoch nicht aus dem Bus aus, sondern fahren weiter zur nächsten Bucht in Richtung Osten, Plefoutis. Hier ist die Endstation der Buslinie 3 und hier startet die Linie 4. Tatsächlich ist dies jedoch der gleiche Bus und Fahrer, der heute alle vier der auf dem Fahrplan aufgeführten öffentlichen Buslinien abfährt, die alle ineinander übergehen. Wir haben 25 Minuten Aufenthalt, bevor es mit dem gleichen Bus – nun als Linie 4 – weiter geht. Das reicht uns, um ein wenig entlang der weit geschwungenen Bucht zu spazieren, deren Strand recht beliebt zum Baden zu sein scheint. Gegenüber dem Strand von Alinda ist vorzuziehen, dass hier keine Durchgangsstraße entlang geht. Mag sein, dass es bei günstiger Witterung hier in dieser ruhigen Gegend wirklich nett ist. Es gibt auch eine kleine Taverne. Bei der heutigen Windstärke 6-7 treibt viel Seegras im Wasser und zwischen den kantigen Kieseln, die sich mit kleinen Sandflächen abwechseln liegen fast die ganze Bucht entlang ab und zu schwarze Holzkohlenstückchen. Heute, bei den recht kräftigen Wellen, die an Land schlagen, badet zu der frühen Stunde hier niemand.

Xirokampos

Xirokampos

Auch wir haben keine Lust zum Schwimmen und steigen wieder in den Bus, der um 9.00 h – nun als Linie 4 – zurück – wieder über unseren Ausgangspunkt Alinda – nach Platanos fährt. Dort macht er 10 Minuten Pause und wird zur Linie 1. Als solche geht es um 9.30 h weiter in den Süden über Lakki nach Xirokampos ( Xerokampos ). Beide Orte sind größer und lebhafter als die der Nordküste. Wir fahren zunächst nach Xirokampos durch und steigen dort aus. Die Entfernung von Agia Marina nach Lakki beträgt etwa 4 km. Nach Xirokampos ist es ein weiterer Kilometer. Hätten wir die ganze Rundfahrt in einem Stück machen wollen, so wäre es möglich, nach 25 Minuten Aufenthalt um 10.00 h wieder in den Bus zu steigen, der nun zur Linie 2 geworden ist und nach Platanos zurückkehrt, von wo er als Linie 3 weiter nach Ag. Marina und Alinda fährt . Wir wollen jedoch endlich ins Wasser, das hier heute ruhiger und sauberer ist an der Nordküste, genau wie uns der Busfahrer versprochen hatte. Wir legen also einen Badestopp bis zum nächsten Durchgang des Rundparcours der Buslinien ein.

Xirokampos

Im Gegensatz zur Nordküste, an der der Wind pfiff, weht hier nur ein leichtes Lüftchen und das Meer ist glatt und ruhig. Abschnitte des Strands, von dem man einen guten Blick auf die Insel Kalymnos hat, bestehen aus mal mehr, mal weniger feinem Kies. Großenteils sind jedoch große, runde Steine im Wasser, so dass Badeschuhe nützlich sind. Weiße Strandliegen warten auf Kundschaft. Doch noch sind wir fast allein. Nur in einer der Tavernen, die ihre Tische und Stühle direkt am Wasser aufgestellt haben, sind zwei Tische besetzt. Auf dem Wasser schaukeln Fischerboote. Ein schönes Stückchen Erde, diese Bucht von Xirokampos, in der es auch Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Es ist hier nicht ganz so ruhig wie im Inselnorden, doch im Moment auch nicht zu betriebsam, obwohl Sonntag ist. Erst gegen Mittag kommen wenige weitere Badegäste.

Um 12.30h hat der Bus erneut die vier Linienabschnitte durchfahren und ist mit dem gleichen Fahrer wieder an der Station in Xirokampos, wo einige weitere Strandbesucher aussteigen.

Ag. Marina - Taverne Mylos

Durch Lakki, das kuriose, so „ungriechisch“ anmutende Relikt italienischer Besatzung und Städteplanung, fahren wir zurück nach Platanos und schließlich Ag. Marina. Wir hatten überlegt, aussteigen sollen, ob wir in Lakki, um uns in der Hafenstadt umzusehen. Das hätte jedoch bedeutet, ein Taxi zurück nehmen zu müssen oder bis 17.45 h auf die Weiterfahrt zu warten. Denn dazwischen geht kein Bus. Auch kann uns niemand einen schönen Fußweg nennen und an der stark befahrenen Straße entlang wollen wir nicht zu Fuß gehen. Schließlich müssen wir morgen ohnehin nach Lakki, um von dort mit der Fähre zurück nach Samos zu fahren, so dass der Besuch der Hafenstadt bis dann warten kann. Denn langsam regt sich Hunger und den wollen wir am allerliebsten wie am Vortag in der Taverne Mylos in Ag. Marina stillen, in der wir das Essen umgeben vom Meer ganz besonders genossen hatten. Diesmal gibt es – wie man uns gestern versprach – Lammbraten. Etwas ungewöhnlich, jedoch sehr schmackhaft wird er mit Senfsauce serviert. Überhaupt versucht man sich offenbar in dieser Taverne mit kleinen Variationen der traditionellen griechischen Küche. So zierten gestern das Skordalia rote Pfefferkörner und heute das Tsatziki Petersilie ansonsten der sonst auf beiden üblichen Olive. Außerdem bestellen wir Auberginen im Tontopf. Dann nehmen wir ein Taxi zurück nach Alinda, da wir nicht auf den nächsten Bus warten wollen, der erst um 18.00 h geht, sondern noch einmal an den Strand wollen. Trotz des leichten Wellen an diesem auf dieser Seite der Insel recht windigen Tag lässt es sich gut schwimmen. Das Wasser an Alindas schmalem Strandstreifen neben der Durchgangsstraße ist auch verhältnismäßig sauber, von einzelnen umhertreibenden Seegrashalmen abgesehen. Der Strand besteht vorwiegend aus feinem Kies mit Sand gemischt, so dass man keine Badeschuhe braucht. Beim heutigen Wellengang wird er immer wieder überspült, so dass der Sand bis zu den Bänken, die an der Straßenböschung stehen, nass ist.

Morgen geht es mit der Fähre zurück nach Samos.

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