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Inousses

Inousses, 1. Oktober bis 3. Oktober 2012

Inousses

Montag, 1. Oktober 2012 – Anreise von Psara über Chios nach Inoussa / Inussa / Oinoussa

Um 6 Uhr morgens sind wir am Hafen von Psara und nehmen zunächst die Fähre nach Chios, nicht ohne tags zuvor Tickets besorgt und einen Blick auf den Wetterbericht der griechischen Website Pseidon System geworfen zu haben. Demnach sollte die Windstärke 4-5 Beaufort sein – normalerweise kein Problem, d.h. auf größeren Schiffen und den meisten Strecken kaum spürbar. Auf der kleinen Psara Glory und der bereits auf der Herfahrt als etwas „schaukelig“ empfundenen Route bis Chios sollten wir den Seegang aber mehr als uns lieb war spüren. Genau wie in den Vortagen kam der Wind aus Nordwest.

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Nachts zuvor war Vollmond gewesen. So stand auch am frühen Morgen unserer Abfahrt noch immer die große Mondkugel über der Insel, Sie warf ein breites, silbriges Band auf das bewegte schwarze Meer mit seinen wippenden weißen Schaumkronen, während unsere kleine Fähre der Morgenröte entgegen pflügte.

ChiosSonnenaufgang

Bald ging über dem vor uns liegenden Chios die Sonne auf. Das Meer spiegelte das Farbenspiel des Morgenhimmels mit seinen Rosa- und Gelbtönen. Dieser bezaubernde Anblick lenkte uns ein wenig von unserem zunehmend flau werdenden Magen ab.

Zum Glück war die Schaukelei und die damit einhergehende einsetzende Übelkeit ausgestanden, sobald wir neben der Insel Chios angekommen waren und ihrer Küste entlang fuhren. Das entsprach unserer Erfahrung von der Anreise am späten Nachmittag des 24. Septembers, bei der die Fahrt mit unserer Psara Glory gerade so wie jetzt solang ruhig gewesen war, solang wir an Chios entlang und  – bald darauf – zwischen Chios und Inousses unterwegs waren, während Wellen und Seegang umso spürbarer geworden sind, umso mehr wir uns Psara näherten.

Ankunft auf der Zwischenstation Chios

chiosAnkunft

Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden Fahrt in Chios angekommen, wollen wir uns als Erstes im Touristenbüro einige Informationen über die Insel und vor allem über unser weiteres Ziel, die kleine Insel Oinoussa   holen (auch phonetischer Inoussa oder ganz phonetisch Inussa transkribiert und auch oft im Plural mit Oinousses / Inousses / Inusses bezeichnet, da sich viele kleine Inselchen um die Hauptinsel gruppieren, oder ganz anders Aignousa (bzw. Aignusa) oder Egnousa / Egnusa genannnt).

Wir gehen also die Hafenstraße Neorion entlang, bis sie auf die schöne, breite Hafenpromenade Leof. Aigeou trifft, von der die  odos (Straße) Kanari abzweigt, in der sich das Touristenbüro befindet.  Dort bekommen wir einen informativen Prospekt über die Insel Inousses, über die wir bislang nur spärliche Informationen hatten. Die drei Angestellten des Büros telefonieren für uns alle der sechs darin genannten Adressen für Unterkünfte an, erreichen aber niemanden. Daraufhin empfehlen sie uns, einige Türen weiter auf der gleichen Straßenseite in dem Reisebüro, in dem es auch die Fährtickets für Inousses gibt, nachzufragen. Dort können wir zwar die Fahrkarten erstehen, über eine mögliche Unterkunft ist aber auch nichts zu erfahren. In den Sommermonaten veranstaltet dieses Reisebüro Tagesausflüge nach Inousses, mit Übernachtungsgästen hat man auch hier keine Erfahrung.

inoussesIIIDie kleine Fähre Inousses III soll um 14 Uhr zur Insel ablegen. Es bleibt also noch Zeit für ein Mittagessen an der Hafenpromenade. Viele der Restaurants und Tavernen, haben gegen 11.30 Uhr, als wir essen wollen, noch geschlossen. Offen finden wir das “Pizza Pallas” in der Neorion-Straße nah am Fährhafen. Es stellt sich heraus, dass es hier – anders als der Name vermuten lässt – nicht nur Pizza, sondern viele griechische Spezialitäten gibt.  Wir entscheiden uns für eine Portion winzige Fischlein mit  Zwiebeln gebacken (gonaraki tiganito me kremmydi) und eine Portion gefüllte Zucchini – beides sehr lecker.

Weiterfahrt nach Inoussa

So aufs Angenehmste gesättigt, fragen wir uns nun, ob wir auch noch eine Unterkunft auf unserem Tagesziel Inousses finden würden. Denn Rückkehrmöglichkeit mit der Fähre gibt es am gleichen Tag keine mehr. Man könnte höchstens ein Wassertaxi nehmen. Wir gehen also zur Inousses III, die bereits vor Anker liegt und fragen das Fährpersonal, das uns schließlich per Handy mit Barbara (sprich Varvara) Katsianou in Kontakt bringt. Sie ist auch als Vermieterin in der Broschüre genannt, die wir im Fremdenverkehrsamt von Chios erhalten haben, nur hatten wir sie bislang nicht telefonisch erreicht. Jetzt endlich klappt es und sie verspricht, uns am Hafen auf Inousses abzuholen. Die Überfahrt dauert ungefähr eine Dreiviertelstunde. Besonders reizvoll am Ersteindruck, den Inousses vermittelt, sind die vorgelagerten Inselchen, auf denen Kapellen stehen und die kupferspanfarbene Meerjungfrau, die von einem kleinen aus dem Meer ragenden Felsen grüßt. An der Hafenpromenade stehen Bänke und Bronzestatuen und einige schöne, für Inselverhältnisse große Häuser verschiedener, mehr oder weniger phantasievoller Baustile. Ältere, schlichtere ziehen sich den Hang hoch und gruppieren sich um die große, hellblaue Nikolaoskirche „oben im Dorf“ („pano sto chorio„) wie es die Einheimischen nennen.

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Wie versprochen steht Barbara mit ihrem Auto am Hafen und bringt uns zu ihrem Haus in einem ruhigen Ortsteil oberhalb der Provatina-Bucht, der nächsten kleinen Bucht Richtung Osten nach der Hafenbucht. Vom Balkon unserer Wohnung haben wir einen schönen Blick weit übers Meer.

balkonBlick

Die Nachbarwohnung hat ein Schüler der Kapitänsschule von Inousses mit seiner Mutter gemietet. Wir unterhalten uns einen Weile mit den beiden und erfragen von ihnen den Weg zum Kloster, den wir am nächsten Tag gehen wollen. Dann gehen wir zu Fuß ca. 15 Minuten den Treppenpfad wieder hinab zum Hafen, schlendern an den Cafés vorbei bis zur Kapitänsschule und sehen uns schließlich nach einer Taverne für das Abendessen um.  Unten in Hafennähe ist alles geschlossen. Eine der Tavernen hier soll später gegen 20 Uhr öffnen. Das ist uns zu spät.

Wir folgen also der Empfehlung, die uns eine Passantin gibt, „pano sto chorio“ (nach oben ins Dorf) ins „Tsoumbari“ unweit der großen Nikolaoskirche zu gehen. Hier gibt es auch einige Geschäfte. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wir lassen uns auf der schattigen Terrasse der kleinen Taverne nieder und bestellen eine Portion souvlaki (Fleischspieße) , eine Portion atherina (winzige Fischlein) und dazu die  Spezialität des Hauses „kati mera“ –  ein Rezept der aus Kleinasien stammenden Mutter der jungen Wirtin – ein fettgebackener, salziger, mit Käse bestreuter Fladen.

Tsoubari

Dienstag, 2. Oktober – Wanderung zum Kloster Evangelismos

OinoussesEvangelismosKloster
Wir hatten das große Kloster von der Fähre aus gesehen, als wie auf der Fahrt von Chios nach Psara an Inousses vorbei kamen. Nun wollen wir – vorbei an einigen Stränden dorthin wandert. Es geht etwas mehr als 3 Kilometer leicht ansteigend nach Nordwesten. Wie uns unser Wohnungsnachbar geraten hat, erkundigen wir uns zunächst nach dem Stadium und schlagen die Straße odos stadiou ein. Das Stadium gehört zu den Dingen, an denen man merkt, dass die Inoussa – ganz anders als nahezu alle anderen griechischen Inseln – mit besonderem Reichtum gesegnet ist. Dimension und Ausstattung sind beieindruckend und wirken überdimensioniert für eine ständige Bevölkerung von nicht mehr als 800 Einwohnern. Inoussa gilt als Insel der Reeder und Kapitäne. Einige der reichsten Schiffseigner stammen und von hier und für Kapitänsnachwuchs sorgt eine bekannte Kapitänsschule. Vom Stadium aus ist die Straße zum Kloster nicht zu verfehlen. Auch ein griechisch-englisches Hinweisschild zeigt uns, dass wir richtig sind.

unterwegsZumKlosterAn den Abzweigungen zu den kleinen Kiesstränden Fasoli, Apiganos, Fokia und Chatzali gehen wir nunächst vorbei. Wir freuen uns darauf, an einem davon auf dem Rückweg zu schwimmen. Unterwegs zunächst vereinzelte Häuser, Gärten, kleine Felder, Kapellen und bunte Bienenkästen, dann leider bald verkohlte Bäume und Büsche und verbrannte Erde, die noch nach frischer Asche riecht, fast auf der ganzen Strecke bis zum Kloster, das wir bald am Hang vor uns sehen. Am Bergkamm darüber ein gigantisches Kreuz, auf den zwei Kuppen daneben je eine Kapelle (dem Propheten Ilias und –  neben Mariä Verkündigung – dem Apostel Paul geweiht) und im zum Meer abfallenden Tal davor grüne Gemüsegärten, die wie eine Oase in diesem versengten Landstrich wirken.

KlosterEvangelismos

Als wir den gepflegten Klosterhof mit seinen blühenden Büschen betreten, emfängt uns eine Nonne freundlich. Sie führt uns zunächst in die Kirche und dann in einen Besuchersaal, in dem sie uns glyko koutaliou – Löffelsüßes und Wasser anbietet. Glyko

Auch das Kloster ein Zeichen für die Sonderstellung der als besonders reiche Gemeinde geltenden Insel. Während viele alte Klöster in Griechenland am Verwaisen sind oder bereits leer stehen, wurde diese große Klosteranlage von der Familie Pateras im Jahr 1962 neu gegründet. Sie ist von Nonnen bevölkert, die dem alten julianischen Kalender folgen. Dem Namen Pateras begegnet man auf Inoussa auf Schritt und Tritt. Zusammen mit Lemos, Hadjipateras, Kollakis and Lyras gehört die Familie zu den reichen Schiffseignern, für die Inousses bekannt ist.

Am Rückweg gehen wir kurz bevor wir wieder den Hafenort erreichen die Treppe zum Kakopetria-Strand in der Bilalis-Bucht hinab, um hier zu schwimmen. Es ist ein schöner, kleiner Kiesstrand.

KakopetriaStrand1

Wetter

Auch die zweieinhalb Tage unseres Aufenthalts auf Inousses waren wieder sonnig und warm.

Weitere Fotos von der Insel Inoussa

Unterkunft und Tavernen auf Inoussa

Vorherige Etappe unserer Reise: < Psara

8 Kommentare leave one →
  1. 2013/08/28 12:34 pm

    Super – danke!

  2. Raiwer permalink
    2013/11/07 10:39 am

    Die Titelunterschrift ist falsch.
    Es muss wohl 2012 heißen statt 2013.

    • 2013/11/14 4:26 pm

      Vielen Dank, Raiwer. Klar, das kommt davon, wenn man so lang braucht, bis man sich endlich an den Reisebericht macht und schon längst ein neues Jahr begonnen hat. Werde das gleich korrigieren. Viele Grüße von Heidi

  3. kokkinos vrachos permalink
    2013/11/11 6:01 pm

    jassou Heidi, schon interessant wie viele verschiedene Schreibweisen es für Inousses gibt.

    schönen Gruß aus Hamburg, kokkino vrachos

    • 2013/11/14 4:31 pm

      Jassou kokkino vracho (schöner Name! :)),
      ja, teils sind es Varianten, unter denen die Insel bekannt ist, teils nur verschiedene Arten, das griechische ins lateinische Alphabet zu übertragen – je nachdem ob man das buchstabengestreuer mit Inousses oder phonetischer mit Inusses tut.
      Grüße zurück aus Augsburg nach Hamburg – Heidi

  4. 2014/01/04 5:58 pm

    Hallo Heidi,
    wie es uns auf Inoussa erging kann man inzwischen auf meiner Website nachlesen.

    Ein schönes Jahr 2014 mit viele Griechenland wünscht euch Katharina

    • 2014/01/16 5:03 pm

      vielen Dank, liebe Katharina, sehr schöner Reisebericht, der in mir Erinnerungen wachruft! Auch Dir und Deiner Familie ein gutes Neues Jahr 2014 mit vielen schönen neuen Reiseeindrücken. Liebe Grüße von Heidi

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