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Kazantzakis – Ein zeitloser Autor

(aktualisiert am 15.03.2017)

Wie kein anderer hat er der 1883 auf Kreta geborene und 1957 in Freiburg im Breisgau gestorbene griechische Autor das Griechenlandbild im Ausland geprägt.

Es war vor allem die Verfilmung seines Roman Alexis Sorbas mit Anthony Quinn in der Hauptrolle, die ihm große internationale Bekanntheit in weiten Kreisen brachte, jedoch auch zur unversiegbaren Quelle für so manches Griechenlandklischee zu werden schien. Umso mehr lohnt es, den wahren Kazantzákis hinter dieser merkwürdigen Verselbständigung eines seiner Werke zu entdecken, den großartigen Erzähler, der sich mit Leidenschaft und umwerfender Gestaltungskraft bewegenden Themen griechischer Geschichte gewidmet und uns die Poesie griechischer Landschaften vor Augen führt geführt hat.

Kazantzakis lebte ein bewegtes, engagiertes Leben, das ihn in viele Länder führte, und hinterließ ein großes, vielfältiges, oft autobiographisch geprägtes Werk, das Romane, Übersetzungen, Reisebeschreibungen und Theaterstücke umfasst. Die Inschrift auf seinem Grab in Iráklio lautet:
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei
(gr. „Δεν ελπίζω τίποτα. Δε φοβʊμαι τίποτα. Είμαι λέφτερος“,
„Den elpízo típota. De fovoúme típota. Íme lévteros.“).

Freiheit oder Tod – Die Pflichtlektüre für jeden Kretareisenden

Das Heldenepos um den usprünglich titelgebenden Kapitän Michalis erzählt vom Freiheitskampf der unterjochten Kreter gegen die Türken im 19. Jahrhundert. Neben dem packenden Geschehen sind es die Porträts urwüchsiger, integrer Gestalten und die Bilder der wilden Schönheit kretischer Landschaften, die den Reiz dieses Romans ausmachen.

Im Palast von Knossos – Erfüllt die antike Ausgrabungsstätte mit prallem Leben

Der Roman ist vor allem eine  geeignete Einstimmung für Kretareisende auf den Besuch der  beeindruckenden Ausgrabungsstätte von Knossos. Denn er erfüllt sie mit Leben und bevölkert sie mit den Gestalten der  klassischen griechischen Mythologie wie Ariadne, Theseus, Daidalos und Ikaros und – natürlich – dem menschenfressenden Monster Minotaurus. Indem Kazantzakis klassische Mythologie mit historischen Tatsachen verbindet, erzählt er von einem Wendepunkt der Geschichte, vom Untergang des minoischen Hofs und dem Aufstieg des Stadtstaats Athen.
„Im Palast von Knossos“ ist eine spannende Abenteuergeschichte mit einer neuen Sicht auf die Figuren der griechischen Mythologie. Man kann den Roman aber auch als  eine historische Allegorie auf die Ablösung eines im Zerfall begriffenes Herrschaftssystems durch eine  aufstrebenden Zivilisation lesen.

Brudermörder – Spielt im griechischen Bürgerkrieg

Ein weiteres tragisches Kapitel griechischer Geschichte bildet den Hintergrund zu diesem Roman: Der Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Royalisten, der in Griechenland in der Folge des 2. Weltkriegs von 1945 bis 1949 tobte – ein unvergessenes Trauma, das bis heute die Menschen und Literaten in Griechenland bewegt. Den damals 63-jährigen Autor ließ der griechischen Bürgerkrieg  1946 selbst Zuflucht im Ausland suchen, aus dem er nicht mehr zurück in seine Heimat kehren sollte.

Die letzte Versuchung Christi – Von der Kirche verboten

Wie „Alexis Sorbas“ diente auch dieses Werk des Autors als Vorlage für einen Film. Martin Skorsese führte Regie. Sowohl bei der orthodoxen als auch der katholischen Kirche eckte Kazantzakis an mit seiner mitreißenden Erzählung von einem zweifelnden, mit seinem Schicksal hadernden Jesus.

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